Startseite Nachricht Pokémon-Karten-Scalping: My Number-ID, Quiz-Filter und Verhaftungen

Pokémon-Karten-Scalping: My Number-ID, Quiz-Filter und Verhaftungen

Nintendo-Präsident Shuntaro Furukawa hat auf einer Aktionärsversammlung offiziell bestätigt, dass The Pokémon Company konkrete Schritte gegen das grassierende Scalping rund um das Pokémon Trading Card Game einleiten wird – ein Eingeständnis, das in der Branche als ungewöhnlich offen gilt.

Dabei sind die Zahlen hinter dem Problem beeindruckend: Rund 10 Milliarden Karten wurden allein im vergangenen Geschäftsjahr gedruckt. Dennoch sind neue Sets bei Erscheinen innerhalb von Minuten ausverkauft – nicht weil echte Fans zuschlagen, sondern weil organisierte Wiederverkäufer die Regale leerräumen und die Karten anschließend auf Plattformen wie eBay zu massiv überhöhten Preisen anbieten.

Colorful Pokemon characters and trainers in a dynamic illustration.

Kettensäge, Überfälle, eingeschlossene Täter

Die Situation hat eine Dimension angenommen, die weit über lästige Wiederverkäufer hinausgeht. In New York überfielen bewaffnete Räuber tagsüber einen Kartenhandel und bedrohten Mitarbeitende sowie Kundschaft mit Waffen – Beute im Wert von rund 100.000 US-Dollar. In einem separaten Vorfall in Kalifornien wurden Karten im Wert von 315.000 US-Dollar bei einem gezielten Angriff gestohlen.

Kurioses aus Florida: Ein Mann wurde im Mai festgenommen, nachdem er mit einer akkubetriebenen Kettensäge Karten im Wert von 12.000 US-Dollar entwendet hatte. In Pasadena, Kalifornien versteckte sich ein Täter im April über Nacht in einem geschlossenen Best Buy, um beim nächsten Morgen bevorzugten Zugang zu einem Karten-Drop zu haben.

Dass Furukawa das Thema überhaupt auf einer Hauptversammlung ansprach, ist branchenintern bemerkenswert. Laut Berichterstattung von IGN bezeichnete der Nintendo-Präsident die Lage als bekanntes «Issue» und sprach von «angemessenen Wegen, Produkte zu Verbrauchern zu bringen» – konkrete Massnahmen sollen folgen.

Was The Pokémon Company bereits unternimmt

The Pokémon Company ist nicht gänzlich untätig geblieben. Für das japanische Set Pokémon Card 151 wurde ein Made-to-Order-Modell eingeführt, das Scalping strukturell erschwert. Bestellungen, die auf Wiederverkauf hindeuten, können storniert und betroffene Käufer von künftigen Produkten ausgeschlossen werden.

Noch weiter geht ein Schritt, der ab August 2026 in Japan greift: Für Vorverkaufslotterien, Online-Produktverkäufe und offizielle Turniere soll künftig die staatliche My Number-ID-Karte zur Identitätsverifizierung eingesetzt werden. Ziel ist laut offizieller Ankündigung, einen «fairen und sicheren» Zugang zu Produkten zu gewährleisten – eine Massnahme, die in der Community kontrovers diskutiert wird, da Datenschutzbedenken laut werden.

Kreativere Ansätze zeigen einzelne Händler: Ein Laden in Nagoya sorgte im April 2026 viral für Aufsehen, indem er Kunden vor dem Kauf bestimmter Produkte ein Pokémon-Trivialfragen-Quiz ablegen liess – als niederschwelliger Filter zwischen echten Fans und reinen Wiederverkäufern. Ob solche Lösungen auch ausserhalb Japans Schule machen, bleibt abzuwarten. Die Situation zeigt jedenfalls, dass der Sammelkartenmarkt – ähnlich wie im wachsenden CCG-Segment insgesamt – unter dem Druck spekulativer Käufer leidet, der sich mit reiner Produktionssteigerung offenbar nicht lösen lässt.

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